Unter dem Titel „Spieglein, Spieglein an der Wand … oder in der Hand? – Selbstwahrnehmung und Selbstbild in der Medienwelt junger Menschen“ fand der Fachtag am 12.05.2025 im EBZ in Pappenheim statt. Neben Inputs zur medialen Selbstwahrnehmung junger Menschen, gab es wieder interessante Workshops in Kleingruppen.
„Wir brauchen den bewussteren Umgang mit Medien“
FACHTAG Wie digitale Netzwerke auf Kinder und Jugendliche wirken
PAPPENHEIM „Spieglein, Spieglein an der Wand … oder in der Hand?“, so fragte der Präventionswegweiser e.V. beim jüngsten Fachtag in Pappenheim. Ein schwieriges Thema, ein herausforderndes Thema – ging es doch um nicht weniger als die zum Teil sehr intensive Mediennutzung junger Menschen in der digitalen Welt. Welches Selbstbild und welche Selbstwahrnehmung entsteht bei Kindern und Jugendlichen, die verschiedene „Soziale Netzwerke“ aufrufen und sich von ihnen durch digitale Interaktionen stark beeinflussen lassen? Fachvorträge, Erfahrungsberichte und Workshops dazu sollten den Tagungsteilnehmern im Bildungszentrum möglichst viele Erkenntnisse vermitteln.
Im Hauptvortrag am Vormittag versuchte die Diplom-Psychologin Christa Gebel das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen aus Sicht der Wissenschaft darzulegen. „Die jungen Menschen nutzen Medien, um bestimmte Bedürfnisse zu erfüllen“, so ihr bildgestütztes Eingangsstatement. Die Wissenschaftlerin zitierte aus zahlreichen Interviews mit Kindern, die sich zum Teil sehr intensiv von Instagram, Tik Tok, X und anderen Medien lenken lassen. Was dort gezeigt, empfohlen und vermittelt wird, kann leicht zu hohem Perfektionsdruck führen. Aus Furcht vor negativem Feedback und Mobbing werde gern versucht, Prominenten in den körperlichen und mentalen Wahrnehmungen nachzueifern. Oft orientierten sich junge Menschen dabei an Influencer*innen. Filterblasen und Algorithmen entschieden außerdem, welche Inhalte ein digitales Netzwerk einer bestimmten Person vorschlägt. Fazit der Psychologin: Es gilt, Jugendliche in ihrer Medienkompetenz zu stärken, ihnen mehr Sicherheit geben und eine positive Selbstreflexion zu fördern.
Analysieren, informieren, appellieren
Als besonders eindrucksvoll und eindringlich erwiesen sich die praktischen Erfahrungen fünf Jugendlicher des Werner-von-Siemens-Gymasiums Weissenburg. Nora Hemmeter, Emma Wachter, Johanna Wolf-Freidhöfer, Philip Folberth und Erik Südner präsentierten den pädagogischen Fachkräften im Saal ihre Analysen und Erkenntnisse hinsichtlich der Nutzung „Sozialer Medien“ von Jugendlichen. Mit einer bemerkenswerten Professionalität referierten die Schüler*innen daüber, wie sich ihrer Ansicht nach die vielfältige „Mediennutzung aus Sicht der Jugend“ darstellt. Das sichtlich interessierte Plublikum spürte sofort: Da sprechen junge Leute auf Augenhöhe und mit viel Sachverstand über Mediengewohnheiten und ihre Auswirkungen im alltäglichen Leben von Gleichaltrigen. Unter anderem ging es um „Schönheitsideale“, die auf digitalen Plattformen angepriesene werden, um die tägliche Nutzungsdauer von Smartphones und um verführerische Video-Clips von Influencer*innen. Weder die körperlichen noch die psychischen und sozialen Folgen eines übertriebenen Medienkonsums ließen sie in ihren praxisorientierten Beiträgen aus. Auch diese Jugendlichen plädierten für einen vernüftigen Umgang mit Sozialen Medien und mahnten die besondere Verantwortung von Eltern und Pädagogen an.
Außerdem zeigte sich die Gruppe unisono aufgeschlossen gegenüber einem Handy-Verbot im Unterricht. Sogar die regen Fachfragen aus dem Plenum konnte das Quintett am Ende seiner Vorträge überzeugend und eloquent beantworten. Fazit: Hier referierte ein top vorbereitetes Team aus einer äußerst engagierten und sachkundigen Gruppenarbeit. Nota bene: Sehr zur Bewunderung auch durch die ebenfalls hervorragende Moderatorin des Fachtages, Greta Weisenseel. Sie ist Koordinatorin der Bildungsregion Altmühlfranken und führte gewandt durch alle Vorträge und Workshops. Als Resümee dieses spannenden Fachtages blieb die Erkenntnis, dass man in punkto digitaler Netzwerke nicht genug analysieren, informieren und appellieren kann. Im vernünftigen Umgang mit Tik Tok und Co. sei noch „viel Luft nach oben“, wie es eine Teilnehmerin formulierte. Mit Verboten käme man nicht weit, und Patentrezepte gibt es offenbar nicht..
Vielleicht brachte es Landrat Manuel Westphal bei seiner Begrüßung auf den entscheidenden Punkt: „Wir brauchen einen bewusteren Umgang vor allem mit den Sozialen Medien“. Die stellten Eltern, Schulen, erzieherische Fachkräfte, aber auch die Gesellschaft insgesamt vor neue Herausforderungen.
Eindrücke vom Fachtag